Level des Monats

Jeden Monat werfen wir einen näheren Blick auf einen herausragenden Level. Herausragende Levels sind dabei solche, die sich durch die höchsten Bewertungen durch die Spieler auszeichnen, und dabei zugleich von genügend vielen Spielern auch bewertet wurden. Es ist also Ihre Wahl, die den Level des Monats bestimmt. Bitte werten Sie Levels, nachdem Sie sie gespielt haben, und vergessen Sie nicht, die Wertungen zusammen mit Ihren Spielergebnissen zum Ende eines jeden Monats uns zuzusenden. Sie können alle vorigen Level des Monats in unserem Archiv finden.

April 2008: „Turnstiles for Two - Rhapsody on Turnstiles in Blue and Green“

von Ronald Lamprecht

Die Welt der „schwarzen Kugel“ kennt viele Facetten: Meditationen, Besuche von Tempeln und Irrgärten, Dechiffrieren, Weltraumabenteuer, allein oder zu zweit, sogar mit Albträume sind wir gesegnet, um nur einiges zu nennen. Doch wie sieht es im Bereich der Musik aus? Nicht so toll? Mitnichten. Zwar gibt es keinen Ohrwurm, der sich einem einfach erschließt, dafür können wir mit einer Rhapsodie aufwarten.

Level des Monats
Enigma VI # 77
Einige Rekorde vom Februar 2008
9:30 dev0
10:04 Taztunes
10:43 Craven
16:03 ryujun
16:36 Ronald
16:47 Daisy
21:19 para_doks

Einfacher Modus
8:11 dev0
10:40 Taztunes
12:29 Ronald
13:04 ryujun
14:46 Craven
17:47 para_doks
18:42 Daisy

Schüler: „Einer was?“
Oberlehrer (mit erhobenem Zeigefinger und ernster Stimme): „Mal wieder im Musikunterricht nicht aufgepasst?“
Schüler (kleinlaut mit geneigtem Kopf, aber Augen verdrehend): „Muss ich wohl leider vergessen haben.“
Oberlehrer (gönnerhaft (wie auch sonst?), auf- und abschreitend): „Also nochmal. Eine Rhapsodie ist ein Musikstück, dessen Themen zueinander in einem nicht festen - somit losen - Zusammenhang stehen. Des Weiteren müssen diese nicht, sondern können vielmehr - man beachte den kleinen, aber feinen Unterschied (Schüler verdreht zunehmend gelangweilt erneut die Augen) - aus Motiven bestehen, die wiederum nicht zueinander in Verbindung stehen bzw. aufeinander basieren oder gar … “.
Schüler (hat endgültig abgeschaltet und murmelt vor sich hin): „Bla, bla, bla …“

Level des Monats 04/2008
Ein Solo im Duett

„Oh nein. Lasst uns geschwinden Schrittes diesen Ort des Grauens verlassen und uns weit angenehmeren Dingen zuwenden.“
„He, das ist mein Text! Weg hier!“
Aber, mir …
„Nix aber!“

„Geschafft! Der ist weg.“

Tja, mit den Turnstiles ist das so eine Sache. Man kann sich nicht nur selbst übers Wasser transportieren sondern auch den anderen. Allerdings kann es dann passieren, dass der andere ohne Hilfe nicht mehr zurückkommen kann.
„Naja, vielleicht hole ich ihn später wieder zurück; denn - streicht man das Gesülze - hat der gar nicht so unrecht. Der Untertitel könnte kaum besser gewählt sein.“

„Neben Erfahrung ist auch ein gewisses Fingerspitzengefühl gefragt“

Es ist schon eine Weile her, dass ich „Turnstiles for Two“ gespielt habe. Nachdem ich mir den Level jetzt noch einmal angesehen habe, ist mir eingefallen, dass ich vor allen Dingen Schwierigkeiten hatte, beim Herumklappen der Dreharme an der richtigen Stelle zu bleiben. Das gilt besonders für den sehr engen Komplex in der Mitte der unteren Hälfte, weil man da kaum Platz zum manövrieren hat. Kein Wunder also, dass die Verfügbarkeit des Pins einen gewaltigen Unterschied zwischen leichtem und schwerem Modus macht.
Zusätzlich dazu ist vorausschauendes Planen gefragt, damit man nicht nur zu den Oxyds hin, sondern auch wieder zurück gelangt. Es hat bei mir da schon eine Weile gebraucht, bis ich wusste, wie ich die „Inseln“ in der Mitte des Levels richtig einbaue.
Die eigentliche Schwierigkeit bei „Turnstiles for Two“ liegt aber mal wieder darin, den allerletzten Oxyd zu erwischen. Da ist neben Erfahrung auch ein gewisses Fingerspitzengefühl gefragt, denn selbst wenn man den Trick raus hat, klappt es dennoch nicht jedes Mal. Man muss schnell genug an die richtige Stelle flitzen, um auf die Insel mit dem letzten Oxyd transportiert zu werden.
Es gibt da übrigens noch einen anderen Level von Ronald Lamprecht (Cold Meditation), bei dem man eine ähnliche Aktion machen muss, um unter den letzten Eisblock geschubst zu werden.
Craven
Level des Monats 04/2008
Hmm … und jetzt?

Also schauen und hören wir uns an, was unsere zwei Musiker zu bieten haben. Der Anfang ist noch ganz entspannt. In den ersten Akkorden gibt einer vor, wo's lang geht und der andere folgt. Doch nun nähern sich unsere beiden Musiker dem zentralen Motiv. Jeder wählt dazu, mit Unterstützung des anderen, seinen eigenen musikalischen Weg.

Zwei Spannungsbögen, jeder individuell durch kleinere Soli angereichert, ziehen sich hin zum zentralen Motiv. Unsere beiden halten sich dort nicht lange auf, sondern stellen die anderen Motive ihrer Rhapsodie vor: ein kleines Solo, ein interessantes, schmackhaftes Intermezzo und nicht zuletzt der technisch schwierigste Teil ihres Vortrags, eine mit Kreuzen gespickte Melodie, die von beiden Seiten höchste Konzentration und Präzision erfordert.

„Ich schätze seine Hingabe, mit der er neue Spielelemente in ihrem ganzen Funktionsumfang erschließt “

Ich bin froh, dass man mich gefragt hat, einen Kommentar für „Turnstiles For Two“ zu schreiben, nicht nur weil ich in der Welt der Musik zu Hause bin, sondern besonders weil dies unter den „Yin-Yang-Leveln“ in Enigma mein Lieblingslevel ist. Ich weiß, dass es Ronalds Absicht war, den Level als eine Rhapsodie anzulegen, und die Beschreibung hierfür scheint passend zu sein, aber dieser Level lässt etwas anderes vor meinem geistigen Auge auftauchen, das schon ein gutes Stück älter ist. Vor kurzem habe ich Bachs zweistimmige Inventionen wiederentdeckt, und diese stellen eine ausgezeichnete Analogie zu Ronalds Schöpfung dar.
Bei Bach spielen beide Hände, in Wechselbeziehung zueinander stehend, kontrapunktische Melodien. Jede Hand hat einen begrenzten Spielraum, genauso wie die weiße und die schwarze Murmel hier strikte Beschränkungen haben, was sie tun können und was nicht, und wohin sie gehen können und wohin nicht. Zusammen bilden die beiden Melodielinien eine harmonische Sequenz, während sie sich unabhängig voneinander ihren Weg durch das Stück bahnen. Und wenn man es schafft, ein technisch ziemlich tückisches aber musikalisch wunderbares Stück durchzuspielen, dann wird man im Schlusstakt sehr häufig mit einem ausgesprochen zufriedenstellenden Dur-Akkord belohnt.
Ein Sache, die ich an Ronalds Leveln sehr schätze, ist die Hingabe, mit der er neue Spielelemente in ihrem ganzen Funktionsumfang erschließt, oder neue Anwendungsmöglichkeiten für bereits vorhandene aufzeigt. Dieser Level ist eine wundervolle Erkundundungsreise durch eine Landschaft, in der man die verschiedenen Eigenarten der grünen Turnstiles kennenlernt. Beinahe jede Aktion erfordert das Zusammenspiel der beiden Murmeln. Ronald hat außerdem den Level dadurch schwieriger (aber auch unterhaltsamer) gemacht, dass er ihn so aufgebaut hat, dass die maximale Anzahl gleichfarbiger Oxyds bei den oberen vier ein Paar ist.
Wie auch immer, der Spieler ist gezwungen, den Rückweg nach oben zu meistern, und dann wieder nach unten zu gelangen, um das Spiel erfolgreich zu beenden. Die größte Schwierigkeit ist meiner Ansicht nach die Gruppierung von vier Oxyds mitten im Wasser im Zentrum des untersten Levelabschnitts - es ist hier wirklich schwierig zu vermeiden, dass eine der beiden Murmeln ins Wasser fällt, und dann, kann man wieder ganz von vorne anfangen.
Ein anderer, äusserst reizvoller Aspekt an „Turnstiles For Two“ ist, dass der Level einfach einen prachtvollen Anblick bietet. Mit all dem Wasser und den hellen Tönen hat man das Gefühl, als sei man auf einer Urlaubsreise auf den griechischen Inseln unterwegs. Glückwunsch an Ronald für solch eine erfreuliche Enigma Erfahrung!
Taztunes

Nun da alle Motive vorgestellt sind, werden diese von unseren beiden Musikern stilsicher und in bester Spiellaune aufgelöst, wobei sie immer wieder zum zentralen Motiv, das sie gekonnt variieren, zurückkehren. Wir nähern uns dem Finale, in dem einer der beiden noch einmal sein Können an einem seiner Instrumente zeigt. Unter dem gebührenden Applaus des Publikums verlassen unsere beiden Musiker die Bühne. Was für eine tolle Darbietung!

Level des Monats 04/2008
Endlich, das Lifekonzert:
„The Be Sharps“

Doch um die Konzertreife zu erreichen, ist einiges an Übung nötig, denn Fehler werden unnachsichtig bestraft: Man fängt wieder am Anfang an. Unachtsamkeiten (nachlassende Konzentration oder fehlende Antizipation) an strategischen Stellen wie dem zentralen Motiv wirken sich dann später verheerend (Shift-F3) aus.

Sage ich doch immerfort:
Nur Übung macht den Meister.

„Ruhe da drüben! Und spar' dir deine abgedroschenen Alltagsweisheiten!“

Aber recht hat er schon. Wie oft bin ich am „Kreuz“ unabsichtlich ins kalte Wasser gesprungen? Sei's wegen mangelnder Präzision oder weil ich - warum auch immer - vergessen hatte, auf die andere Murmel umzuschalten. Also durchatmen, Ruhe bewahren und nicht zu hektisch vorgehen. Die Koffeinsüchtigen (so wie ich) sollten zur Vorbereitung ihren Kaffeekonsum reduzieren und, um eine ruhige Hand zu haben, vielleicht besser ein Glas Vin Rouge zu sich nehmen ;-).

Einiges an Nerven kostet auch das zentrale Motiv (hier gibt's kein Bild - denn zu viel soll hier nicht verraten werden). Der Einsatz der „Instrumente“ muss gut und vorausschauend geplant sein, will man sich nicht den Rückweg zu den oberen und unteren Motiven versperren. Ist ein „Instrument“ nicht richtig „gestimmt“, stellen sich die üblichen Konsequenzen (Shift-F3) unumgänglich ein.

Besonderen Reiz bekommt dieser Level auch durch den Einsatz einer weißen und schwarzen Murmel. So hat jede Bereiche, die nur ihr zugänglich sind, aber ohne die aktive Zusammenarbeit der beiden sind diese nicht erreichbar (wie z.B. beim „Kreuz“).

Also Leute, rafft euch auf, stimmt eure „Instrumente“ und legt los zur „Session für zwei“.

„Die grünen Turnstiles hatten sich als weitaus wertvoller erwiesen, als ich es jemals zu hoffen gewagt hatte“

Als einen ganz kleinen Misston empfinde ich den Vortex, denn dieser wird eigentlich nicht zwingend benötigt. Aber vielleicht habe ich die Komposition nur noch nicht in ihrer kompletten Gänze erfasst. Also werde ich einfach nochmal voller Genuss in die Welt der Enigma-Klänge eintauchen.

Es mag verrückt klingen, aber „Turnstiles for Two“ ist eine „Auftragsarbeit“. Im Zuge der Veröffentlichung von v1.00 erhielten wir Berichte über Absturzprobleme, die scheinbar mit den Turnstiles zusammenhingen. Beim Debuggen des Turnstile Codes zogen die grünen Turnstiles meine Aufmerksamkeit an sich. Es gab bis dahin nur einen einzigen Level, der Gebrauch von ihnen machte: „Zig Zag“ - und dort kamen sie nur indirekt zum Einsatz. Ich begann, die Existenzberechtigung dieser Variante in Frage zu stellen - mit all dem Extra-Code, den sie verursachte. Aber nach kurzer Zeit entdeckte ich ein erstes direkt anwendbares Muster für einen Level mit nur einer Murmel, was schließlich Mitte Februar 2007 zum Level „Revolver“ führte.
Aber meiner Ansicht nach musste der wahre Wert der grünen Turnstiles erst in Multi-Murmel-Leveln erkennbar werden. Also habe ich am 13. März dazu aufgerufen, einen Einführungslevel für grüne Turnstiles zu schreiben, der einige brauchbare Muster demonstrieren sollte. Zwei Tage später habe ich selbst versucht, einen solchen Level zu verfassen. Nach drei Arbeitsstunden hatte ich zwei neue Level fertiggestellt: „Cold Meditation“ und „Polar Bear's Paradise“. Am nächsten Tag hat Andreas verzweifelt bei mir angefragt, ob denn wirklich „Cold Meditation“ der von mir angekündigte Level sein solle.
Natürlich nicht! Ich hatte nur ein paar Muster gesammelt und war dabei von Ideen für andere Level abgelenkt worden. Aber nun hatte ich eine Idee für ein Arrangement verschiedener Muster, und mit jedem Muster, das ich zum Level hinzufügte, ergaben sich wieder neue Muster mit den grünen Turnstiles. Zwei unterhaltsame Abend-Sessions später - in den frühen Morgenstunden des 17. März - war „Turnstiles for Two“ dann so weit für den ersten Versand. Die grünen Turnstiles hatten sich als weitaus wertvoller erwiesen, als ich es jemals zu hoffen gewagt hatte!
Level des Monats 04/2008
Eine Wippe für Kinder und
Erwachsene in (fast) jedem Alter
Auf der Suche nach Inspirationen unterbrach ich an beiden Abenden meine Arbeit. Beide Male setzte ich mich ans Klavier und begann aus dem Kopf eines meiner Lieblingsstücke zu spielen: Gershwins „Rhapsodie In Blue“. Es hat einfacht gepasst - die verschiedenen voneinander unabhängigen Muster zu einem gemeinsamen Thema, miteinander verbunden in einem umfassenden Rahmen, schwarz und weiß, und zusätzlich Gefühle wie Sehnsucht und Unbestimmtheit. In der Tat hat Gershwin sein Stück zuerst „Nocturne in Blue and Green“genannt, wobei die Farben für die Gefühle stehen. Da die grünen Turnstiles der hauptsächliche Anlass für den Level gewesen waren, brauchte ich nur noch den Untertitel „Rhapsody On Turnstiles In Blue And Green“. hinzuzufügen.
Bereits mehrere Male haben einige User ihre Verwunderung zum Ausdruck gebracht über den Zeitrahmen, in dem ich einige meiner besten Level verfasst habe. Aber so ist nun einmal die Natur der Kreativität. Man verbringt unzählige Stunden damit, Enigma zu spielen und weiterzuentwickeln, und auf einmal hat man die Idee für einen Level. BTW hat Gershwin seine Rhapsodie in nur 24 Tagen und Nächten komponiert! Aber er hat die Niederschrift seiner eigenen Klavierpartitur erst Monate nach der Weltpremiere fertig gestellt.
Genauso war auch „Turnstiles for Two“ nicht nach zwei Abenden vollendet. Ich entdeckte einen feinen Punkt, für den ich zunächst keine Patentrezept parat hatte: eine faire und auch lösbare Verteilung der Oxydfarben. Die Farbverteilung einfach per Zufallsgenerator vorzunehmen funktioniert nicht. Wenn z.B. alle oberen Oxyds miteinander Paare bilden, gibt es keinen Grund nach der Untersuchung des unteren Teils später noch einmal zum oberen Teil zurückzukehren. Aber es ist nun einmal ein wesentlicher Punkt an dem Level, dass man zum oberen Teil zurückkehren MUSS nach der Untersuchung des unteren Teils. Schließlich habe ich eine kleine Spezialfunktion geschrieben, die in angemessener Weise Einfluss auf die Farbverteilung an die Oxyds nimmt. Aber dieses Problem fairer Oxydverteilung wurde daraufhin auf Enigmas Todo Liste gesetzt. Es hat den ganzen Monat Oktober in Anspruch genommen, einen generellen Algorithmus zu finden und zu programmieren, der dieses ziemlich komplexe Problem auch für alle zukünftigen Level löst.
Wenn ich jetzt, nachdem ein Jahr vergangen ist, auf den Level zurückblicke, fällt mir auf, dass er doch etwas schwieriger geraten ist, als ich das ursprünglich geplant hatte. Besonders der Einfache Modus sollte einfacher zu lösen sein, der Vortex ist nicht notwendig und im Schwierigen Modus sollte der Spieler gezwungen sein, ALLE verschiedenen Muster zu verwenden anstatt nur diejenigen auch im Einfachen Modus erforderlichen. Ich habe die Reibung innerhalb des kritischen Bereichs der südlichen Rosette erhöht, und den mittleren Abschnitt für den Einfachen Modus vereinfacht. Ich hoffe, dass gibt mehr Spielern die Chance, an der Vielseitigkeit der „Turnstiles for Two“ Gefallen zu finden.
Vielen Dank für die guten Bewertungen, und viel Spass beim Spielen!
Ronald Lamprecht

Vielen Dank an Ronald Lamprecht für dieses musikalische Meisterwerk.

NObby

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